24.09.2019

Farbrattenschwemme in unserem Tierheim

Ungewöhnlich früh klingelte am Samstagmorgen das Handy von Kollegin Eileen Linke, unserer Mäuse- und Rattenbeauftragte. Lisa Pommeranz war dran und fragte nur: „Kannst Du kommen? Schnell? Und mit schnell meine ich: SCHNELL! Jemand hat uns Ratten an die Straße gestellt. Viele! Und mit viele meine ich: VIELE!“ Als die Herbeigerufene wenig später eintraf, starrte sie fassungslos auf mit Volierendraht und Kabelbinder verschlossene Mörtelkästen und andere Plastikbehälter. Zwischen Altkleidern, Brötchen, Kartoffeln und Hundefutter wimmelte es vor Ratten jeden Alters. Wie sich später herausstellte 67 Tiere. Etliche Weibchen dürften trächtig sein.

Ein Raum musste her

Ein Allzweckraum für uns fiel kurzerhand der Umnutzung zum Opfer, jede verfügbare Hand schleppte Möbel raus und Käfige hinein. Mittendrin sortierte Eileen mit Hilfe von Lisa und Sarah Birkendorf im Akkord die teils im sehr schlechten Zustand befindlichen Tiere nach Geschlecht in Transportboxen. In einer weiteren Box warteten die ärmsten Kreaturen auf Erlösung, die noch am gleichen Tag beim Tierarztnotdienst vorgenommen wurde.

Unser stellvertretender Tierheimleiter Ingmar Karrie stellte aus dem Lager alles bereit, was neben dem vorhandenen Rattenkäfig noch als Unterkunft dienen konnte. Doch trotz der kollegialen Leihgaben der Kategorie Chinchilla-Käfig und Vogelvoliere musste im Fachmarkt zugekauft werden. Unmengen an Futter ohnehin. Weitere Kollegen kümmerten sich um Einrichtung, Näpfe, Streu.

Einfach der Verantwortung entledigt

Mit Blick auf die Mörtelkästen – je ein Böckchen mit mehreren Weibchen – geht Eileen von einer Futtertierzucht aus. „Entweder die Pythons dieses Menschen sind gestorben, oder er hatte sonst keine Abnehmer und Lust mehr“, kommentiert sie mit Galgenhumor. „Wer immer der Verursacher dieses Notfalls gewesen ist: Er hat nicht nur anderen seine Verantwortung vor die Füße geschmissen, sondern auch hohe Kosten verursacht.“ Von der geballten Arbeitskraft unserer Ehrenamtlichen, die teils zwölf Stunden am Stück durchgeschuftet hatten, ganz zu schweigen.

Wir helfen gern - anonyme Aktionen unnötig

Mariette Junker, unsere 1. Vorsitzende, kann nur den Kopf schütteln: „Jeder weiß doch, wie hilfsbereit wir sind. Wir haben in ähnlichen Fällen im besten Einvernehmen Lösungen gefunden. Alles in Ruhe und ohne so viel unnötige Belastung für Mensch und Tier. Man hätte einfach vorher mit uns Kontakt aufnehmen können.“ Die nächsten Tage wird Eileen mit Sichtung der Tiere und der tierärztlichen Versorgung verbringen, um anschließend Kontakt mit anderen Vereinen und Initiativen zwecks Unterstützung aufzunehmen. Zudem müssen immer noch parallel an die 50 Mäuse aus dem Essener Notfall im Blick behalten werden. Bald stehen die Kastrationen des männlichen nachwuchses an. „Zumindest unser freundlicher Spender“, so die Eileen ziemlich bitter, „ist seine Sorgen los und kann bestimmt prima schlafen.“