Leeloo: Das fünfte Element

Im Science Fiction-Klassiker „Das fünfte Element“ rettet Leeloo die Menschheit. Zunächst war sie lediglich aufgrund ihrer feuerroten Haare Namenspatin für unser kleines Kätzchen. Es stellten sich jedoch schnell weitere Parallelen heraus. Wie auch die Filmheldin ist unsere Leeloo eine echte Kämpferin. Im Film fällt die Protagonistin aus heiterem Himmel in das Flugtaxi von Corben Dallas, stellt sein Leben völlig auf den Kopf und verdreht ihm nachhaltig den Kopf. Genauso ist es uns nach der plötzlichen Ankunft von Leeloo ergangen. Aber wie fing alles an?

Blutunterlaufende Augen, hohes Fieber einhergehend mit einem Infekt – so begann ihr neues Leben bei den Tierfreunden Münster. Nicht gerade ein guter Start. Nach wenigen Tagen kam die Diagnose: Feline Infektiöse Peritonitis (FIP). Eine Mutation des Coronavirus (KEIN COVID-19!) hat sich zum FIP-Virus entwickelt. Oftmals ein Todesurteil für viele Katzen in Deutschland, denn aktuell ist keine Medikation hierzulande zugelassen. Dieses Krankheitsbild ist leider keine Seltenheit bei Katzen, die enormen Stresssituationen ausgeliefert sind. Speziell bei Jungtieren ist der Ausbruch des Virus stark verbreitet. Schätzungsweise sind über die Hälfte aller FIP-Katzen unter ein Jahr alt.
So erging es leider auch der kleinen, sieben Monatealten Leeloo. Zum Glück befand sich ihr Krankheitsverlauf gerade erst im Anfangsstadium. Die Katzenverantwortlichen schöpften Hoffnung und kämpften für die hübsche Samtpfote. Da sie bereits vielversprechende Erfolge mit Tierheimkatze Minou wenige Monate vorher erzielt haben, wurde auch hier eine neuartige Therapie angewandt: Das Wundermittel „GS-441524“, welches jedoch nicht in Deutschland zugelassen ist aber vielen FIP-Katzen das Leben rettet, sollte auch für Leeloo der rettende Anker sein.

Nun hieß es für Leeloo: 84 Tage spritzen. „Juhuu, die Rettung naht“, hätte Leeloo sich denken sollen. Doch bei jedem Anblick einer Spritze wurde das zierliche sonst so schmusige Kätzchen zu einer wahren Furie. Sie schrie wie am Spieß als säße sie auf der Schlachtbank. Keine einfache Tortur für Tier und Mensch. Das Ritual musste jeden Abend zu dritt vollzogen werden und sah wie folgt aus: Bissfeste Handschuhe an, Spritze aufziehen, Leeloo in einen „Schnurrito“ rollen und „pieks“.
Zu allem Überfluss musste die kleine Fellnase auch noch in Quarantäne, da das Virus auf andere Katzen übertragbar ist. Eine Pflegestelle musste schnell her! Nun kommen die neuen „Pflegeeltern“, die jetzigen, stolzen Katzeneltern ins Spiel.

Anfang April ploppte bei WhatsApp ein Bild mit einem dreifarbigen, süßen Wollknäuel auf. Dieses Wollknäuel war Leeloo. Meine Nachbarin „Tante Lena“, die ebenfalls für die Tierfreunde arbeitet, schilderte mir die nicht gerade nach einfacher Vermittlung aussehender Situation und bot uns ebenfalls an, uns im Spitzprozess zu unterstützen. Trotz Skepsis war ich sofort Feuer und Flamme und überredete meinen Freund, Leeloo ein neues Zuhause zu geben. Zunächst auf Probe. Er war einverstanden, und ich war überglücklich, denn ich wünschte mir nichts Sehnlicheres als eine Katze. Natürlich schwirrten auch Ängste und Gedanken im Hinterkopf. „Besiegt die kleine Leeloo die Krankheit, oder entpuppt sich ihr neues Eigenheim als Katzenhospiz? Schaffen wir die turbulente Spritzprozedur? Sind wir gute Katzeneltern?“ Jedoch überwog der Helferinstinkt und die Katzenliebe. Die größten Skeptiker waren jedoch meine Eltern, die mich für komplett bekloppt abstempelten. „Kind, warum schaffst du dir ein krankes Kätzchen an, an die du dein Herz verlieren wirst? Nach ein paar Wochen muss sie bestimmt eingeschläfert werden und du bist am Boden zerstört. Lass dir lieber eine gesunde Katze vermitteln.“, so die Bedenken meines Vaters. Doch wie gesagt, ich hatte mich schon längst in die Kleine verguckt.

Meine Nachbarin und Freundin „Tante Lena“ und ich fuhren schnur(r)stracks mehrmals ins Tierheim und wurden von Vanessa angelernt. Spritzen aufziehen und die Katze richtig festhalten standen auf unserem Lehrplan. Klingt banal, war es aber nicht! Die Katze konnten wir mittels eines „Schnurritos“ gesichert festhalten. Dieser sah ungefähr wie folgt aus: Leeloo wurde schreiend und fauchend in ein Handtuch mit Spritzlöchern gerollt. Eine Person musste Vorderpfote und Köpfchen festhalten, eine andere Person die Hinterpfoten und die dritte Person hatte die ehrenvolle und nicht gerade beneidenswerte Aufgabe, den Stich zu setzen. Innerlich war ich am Verzweifeln und dachte: „Das bringe ich niemals übers Herz. Wie sollen wir das schaffen? Diese Prozedur jeden Abend für sieben Wochen. Ohne Hilfe von Vanessa? Unvorstellbar.“ Doch in diesem Moment, und solche gab es einige, muss man sich immer wieder sagen, dass diese Prozedur auf Zeit ist und man Leben rettet. Dank Vanessa wurde eine „Untersuchungstasche“ bestellt und der Spritzprozess wurde uns ein wenig vereinfacht.

Am 16. April war es endlich soweit. Leeloo bezog ihr neues Eigenheim. In der Wohnung angekommen, öffneten wir ihre Box und sie sprang quietschfidel durch die Wohnung. Endlich Freiheit! Obwohl wir sie jeden Abend mit Spritzritualen „quälten“, zeigte sie uns sofort ihre Zuneigung und nahm ihre neuen „Pflegeeltern“ sehr gut an. Jeden Tag gab es unzählige Schmuse- und Spieleinheiten. Diese möchten wir niemals mehr missen.
Unsere kleine Löwin entwickelt sich prächtig, nimmt stetig zu und ihre Blutergebnisse zeigen deutlich, dass das Wundermittel seine Wirkung nicht verfehlt hat.Gott sei Dank! Denn diese Prozedur werden wir alle definitiv nicht vermissen. Unzählige, mühsame Spritzstunden sind nun Geschichte. 84 Tage GS-Therapie sind erfolgreich beendet. Nun befinden wir uns in der Wartezeit, d.h. wenn Leeloo bis Anfang September keinen Rückfall hat, ist sie FIPFREE. Wir hoffen, dass dieses Medikament schnellstmöglich auf dem deutschen Markt zugelassen wird und viele Katzenleben rettet.
An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei allen Mithelfern für eure bedingungslose und großartige Unterstützung bedanken. Eure Tierschutzarbeit ist grenzenlos! Ein ganz besonderes Dankeschön geht vor allem an Vanessa, Manu und „Tante Lena“. Ihr seid Leeloos Helden! Ohne euch hätte Leeloo (und wir natürlich auch) den Kampf nicht überstanden. Auch wenn es viel Gefauche und Gejaule gab, wird sie es euch auf ewig danken. Dank euch ist unser kleines Wollknäuel unsere größte Bereicherung und versüßt uns jeden Tag – selbst mein Vater ist absoluter Leeloo-Fan geworden.

Maike F.

 


Lu und Leilani: Gegensätze ziehen sich an…

28. September 2019: Es geht ins neue Zuause! Zur Eingewöhnung haben wir die beiden erst einmal in einem separaten Zimmer ankommen lassen. Schon nach kurzer Zeit wurde uns durch Scharren und Miauen an der Tür klar gemacht, dass man doch jetzt bitte sein neues zu Hause erkunden möchte. Dann wurde erstmal JEDER Winkel der Wohnung genauestens inspiziert und nach ein paar Tagen auch der Katzen-Balkon unsicher gemacht.

LU war zu Anfang sehr schüchtern, ließ sich kaum anfassen und hat sich liebend gern im Bücherregal versteckt. Mit der Zeit ist die Kleine aber deutlich aufgetaut und mittlerweile zur absoluten Schmusekatze mutiert. Wir haben schon so einige gemütliche Herbst-/Wintertage zusammen auf der Couch verbracht. Da sie sich mit Vorliebe zum Schlafen zu einer winzig kleinen Kugel zusammenrollt, ist sie unser kleiner „Rollmops“. Ihre Gelenkigkeit beim Putzen hat ihr den Spitznamen „Yoga-Katze“ eingebracht. Lu ist auch ein kleiner Fußball-Profi und dribbelt mit Ihren Spielbällen wie ein Weltmeister durch die Wohnung. Besonders toll findet unsere Lu immer noch, sich zu verstecken, dazu buddelt sie sich unter Decken und Teppichen in kleine Höhlen ein, sodass man aufpassen muss, sich nicht ausversehen mal auf eine Katze zu setzen.

LEILANI hat einen ganz anderen Charakter als ihre Zieh-Schwester (die beiden wurden als Findelkinder zusammen aufgezogen). Sie ist unsere kleine Rampensau, Abenteurerin und Erkundschafterin. Vor ihr ist nichts sicher: Man findet sie in Rucksäcken, Boxen, Mülleimern, Schränken und auch mal in der aus Versehen offenen Spülmaschine. Auch wenn sie so ein wildes Energiebündel ist, muss sie ganz viel geknuddelt werden und macht dann „biscuits“ als gäbe es kein Morgen. Jeden neuen Besucher begrüßt sie stürmisch und fordert sofort ein ordentliche Portion Streicheleinheiten ein.

Insgesamt haben die beiden unseren Alltag so positiv beeinflusst, dass wir sie hier getrost als „natürliche Stimmungsaufheller“ anpreisen können. Zu sehen, wie zwei kleine Lebewesen in so kurzer Zeit so viel Vertrauen und Zuneigung zu uns entwickelt haben, war und ist wirklich etwas Besonderes.  Wir freuen uns auf viele weitere ereignisreiche Jahre mit Lu und Leilani und bedanken uns bei den Tierfreunden für die tolle Vermittlung und Unterstützung!  

15. Januar 2020